Brüssel, den 07. Juli 2026:
Mit dem sogenannten „Protein Plan“ will die EU-Kommission die strategische Abhängigkeit von importiertem Eiweiß für Nahrung und Futtermittel künftig verringern und die heimische Produktion und Nachfrage zu stärken. Im Mittelpunkt des Plans steht ein neuer EU-weiter Richtwert: Der Anteil von Eiweiß aus in der EU angebauten Ölsaaten und Eiweißpflanzen am gesamten in der EU verwendeten Futtereiweiß soll von 25 Prozent im Jahr 2025 auf 35 Prozent im Jahr 2035 gesteigert werden.
Die EU-Kommission hat verstanden, mit uns Bäuerinnen und Bauern steht und fällt der Protein Plan. Wir können heimisches Eiweiß liefern, aber der Anbau von Eiweißpflanzen muss sich lohnen. Abgesehen von wirklichen Anreizen brauchen wir eine eindeutige Nachfrage, gute Konditionen und vor allem Planungssicherheit. Der Protein Plan soll dafür die Weichen stellen, aber Papier ist geduldig. Jetzt kommt es auf die Schnelligkeit und Schlagkraft bei der Umsetzung des Plans an.
Denn die Europäische Union ist ein global bedeutender Akteur im Bereich der Tierhaltung. Gemeinsam mit dem Anbau von Futterpflanzen macht dieser Bereich mehr als die Hälfte der gesamten landwirtschaftlichen Produktion der EU aus (59 Prozent im Jahr 2024). Für die Tierhaltung werden jährlich rund 74 Millionen Tonnen pflanzliches Eiweiß als Futtermittel benötigt. Gleichzeitig besteht eine erhebliche Importabhängigkeit, insbesondere bei Sojabohnen aus Nord- und Südamerika sowie bei Futterzusatzstoffen wie Vitaminen und Aminosäuren. Bei Letzteren hat China eine nahezu monopolartige Marktstellung. Um die Versorgungssicherheit zu stärken, soll der Aufbau heimischer Wertschöpfungsketten für Eiweißpflanzen gefördert und die Position der Landwirte verbessert werden. Hierfür sollen die Vermarkungsformen und Herkunftsbezeichnungen zukünftig eingeführt bzw. weiterentwickelt werden. Auch soll die Datenbasis zur Eiweiß-Selbstversorgung verbessert werden, sowie die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Landwirtschaft mittels Forschung und Innovation.
Hintergrund:
Angesichts geopolitischer Spannungen und gestörter Lieferketten gewinnt die Frage nach einer stärkeren Ernährungs- und Versorgungssouveränität der EU zunehmend an Bedeutung. Aktuell bestehende Abhängigkeiten bei Düngemitteln, Futtermitteln und Energie stellen nicht nur ein Risiko für die Ernährungssicherheit dar, sondern auch eine strategische Schwachstelle, die unmittelbare Auswirkungen auf die Resilienz und Sicherheit der Europäischen Union hat.